Wir alle haben die schlimmen Bilder von Geflüchteten im Fernsehen, in der Zeitung, in Blogs gesehen und uns mehr als einmal die Frage gestellt: „Wie kann ich bloß helfen?“ Die Bilder machen hilflos, man glaubt, man könne als einzelner keinen Unterschied machen. Doch um ehrlich zu sein: So schwer ist das gar nicht. Jeder kann einen Unterschied machen, jeder kann helfen, sei es mit Sach- oder Geldspenden, durch das Bereitstellen von Unterkünften, durch administrative Unterstützung in den Camps… es gibt so viele Möglichkeiten und jeder von uns bringt Fähigkeiten mit, die dort gebraucht werden. Deswegen möchten wir euch Menschen vorstellen, die mit ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten helfen, wo sie können. Kleine und große Taten, alles zählt. Beginnen möchten wir mit Lena, die Anästhesistin und Hausärztin in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft Ansprechpartner für Geflohene aus Syrien ist.

Viel Zeit hast du neben dem Klinikalltag nicht. Warum hast Du dich dennoch entschlossen als „Hausärztin“ für die Geflohenen da zu sein?

Unsere Klinikleitung arbeitet sehr eng mit der Landesregierung Schleswig-Holstein zusammen und wurde gebeten die medizinische Versorgung von insgesamt drei Großunterkünften für Flüchtlinge zu stellen. Innerhalb kürzester Zeit wurden mit Hilfe von Freiwilligen provisorische „Arztpraxen“ errichtet. Vieles ist improvisiert, aber Medikamente und einfaches medizinisches Material stehen ausreichend zur Verfügung und Ziel ist es jedem Patienten Zugang zu einem Arzt zu ermöglichen und wenn nötig in eines der umliegenden Krankenhäuser zu bringen. Dies wird nicht nur aus idealistischen Absichten gemacht sondern auch um zu verhindern, dass der normale Klinikbetrieb zusammenbricht. Alle Flüchtlinge haben eine traumatisierende Reise hinter sich und oftmals genügt es schon wenn sich jemand Zeit nimmt die eigene Leidensgeschichte anzuhören. Dies kann in der Notaufnahme einer großen Klinik natürlich nicht geleistet werden. Die aktuelle Situation verlangt von jedem mitzuhelfen, deshalb habe ich mich zu dem freiwilligen Dienst in einer der Flüchtlingsunterkünfte entschieden. Außerdem gab es mir die Möglichkeit von den Geschichten meiner Patienten zu hören.

Was waren denn die größten Schwierigkeiten?

Anfangs war es etwas holperig in den „Praxisbetrieb“ herein zukommen, unsere Patienten kommen mit Zahnproblemen über kleinere Infektionen bis hin zum Herzinfarkt. Dazu kommt die Sprachbarriere. Vor Ort haben wir immer Dolmetscher, die selbst eine medizinischen Grundbildung haben, sonst wäre an Verständigung kaum zu denken. Es ist sicherlich ein sehr anstrengender Dienst, am Tag kommen unglaublich viele Flüchtlinge, oftmals auch nur um etwas Abwechslung im sehr tristen Alltag zu haben, aber ich würde es immer wieder tun.

Was hat dich am meisten berührt oder gar schockiert?

Schockierende Realität wurden die Bilder, die ich nur aus dem Fernsehen kenne, als ein 21jähriger Mann mir seinen Hautausschlag zeigte und auf die Frage seit wann er diesen habe, antwortete : „Seitdem unser Boot gesunken ist und ich im Mittelmeer geschwommen bin“. In so einem Moment denkt man zwangsläufig darüber nach was man selbst mit 21 Jahren gemacht hat.

Wie, denkst du, kann man selbst helfen und warum sollte jeder handeln?

Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen, im Internet finden sich viele Organisationen oder Veranstaltungen, die sich über freiwillige Hilfe freuen würden. Ebenso informiert auch die Stadt Hamburg über aktuelle Fakten. Wenn sich jeder einmal mit dem Thema und den Geschichten der einzelnen auseinandersetzt, wäre allen geholfen. Danach fällt es nämlich schwer von „Wirtschaftsflüchtlingen“ zu sprechen.

Anlaufstellen in Hamburg

Wer nun wissen möchte, wo und wie man helfen kann, schaut mal auf diese Seiten:

Ihr kennt noch andere Organisationen, die tolle Arbeit leisten? Lasst es uns wissen, wir berichten gerne über Initiativen.