Es ist immer so eine Sache mit der richtigen Ausdrucksweise: Man weiß, was der politisch korrekte Ausdruck ist, aber in der Umgangssprache hält das Wissen nur selten Einzug. Viele sagen trotz besseren Wissens immer noch Mohrenkopf, anstatt Schokokuss, aber ist es wirklich nur eine kleine sprachliche Feinheit, oder sollte gerade bei der aktuellen Thematik, der wir uns widmen, tatsächlich sensibler mit Sprache umgegangen werden?

Flüchtling politisch inkorrekt?

Wie verhält es sich nun bei Flüchtlingen? Nennt man sie Flüchtlinge, Refugees, Geflüchtete oder Schutzsuchende? 2015 war Flüchtling das Wort des Jahres und in Anbetracht der aktuellen Umstände für uns Grund genug, um sich das Wort genauer anzuschauen. Wir haben die sprachlichen Feinheiten auseinandergenommen, in der Hoffnung, etwas Klarheit in die Frage zu bringen. Im heutigen Sprachgebrauch werden Fliehende als Flüchtlinge bezeichnet, oft steckt aber nicht einmal eine böse Absicht dahinter. Warum sollte aber das Wort „Flüchtling“ überhaupt kritisch gesehen werden?

Welche Worte fallen einem noch ein mit „-ling“? Schönling, Schwächling, Fremdling – alle diese Worte haben die Endung -ling, eine Verniedlichungsform mit einem negativen Färbung. Das liegt auch daran, dass viele Worte, die auf -ling enden oft abwertend benutzt werden. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei Flüchtling nicht um ein klar definiertes, rassistisches, beleidigendes Wort, sodass sich aus dem Wortgebrauch nicht ohne weiteres eine Beleidigung ableiten lässt.

Ist Refugee besser?

Nun könnte man stattdessen Refugee sagen, was in unsere alltäglichen Sprache schon Einzug gehalten hat, aber eben kein deutsches Wort ist und gern Sprachschützer auf den Plan ruft, die befürchten, dass wir unsere Sprache verhunzen. Die Übersetzung des Wortes ist sowohl „Zuflucht suchende Person“, als auch „Flüchtling“, aber es scheint weder einen positiven noch negativen Bezug zum Wort zu geben. Es scheint also eine neutrale Bezeichnung zu sein, aber wie gesagt, in der deutschen Umgangssprache eher ungewöhnlich.

Geflüchteter als bessere Wortwahl?

Was aber ist mit dem Wort „Geflüchtete“? Durch die Vorsilbe „Ge-“ werden aus Partizipien Substantive abgeleitet (vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran aus dem Deutschunterricht). Dazu gehören Wörter wie Geliehenes, Gesuchte, Gelehrte usw., die weiterestgehend neutral sind.

Was ist die unverfänglichste Bezeichnung?

Der tagtägliche Sprachgebrauch lässt sich nicht ohne weiteres ändern, man kann höchstens durch Sensibilisierung auf mögliche Problematiken der Wortwahl hinweisen. Flüchtling muss nicht, aber kann als abwertend empfunden werden, Geflüchteter eben nicht, da es sich um ein neutrales Wort handelt. Die wohl beste Bezeichnung (und zudem treffendste) wäre Zuflucht suchende Person, da es auch dafür sensibilisiert, warum diese Menschen bei uns sind.