Wir waren uns erst nicht sicher, was das eigentlich sein soll: Flüchtlinge fressen. Flyer mit der URL samt Plakaten in der Stadt. Ein Theaterstück? Eine ernstgemeinte politische Aktion? Kunst? Ruft man die Seite von “Flüchtlinge fressen” auf, wird man direkt umgeleitet auf www.flugbereitschaft.de und versteht erst einmal gar nichts. Wo bin ich hier gelandet und habe ich nicht eben eine andere URL eingegeben?

Die Seite, auf der man sich hier befindet ist eine Crowdfunding-Seite, die ein Ziel hat: Geld sammeln zum Chartern einer Boeing, mit der 100 Geflüchtete aus der Türkei nach Deutschland geflogen werden sollen. So weit, so gut. Der Name, den das Flugzeug trägt, ist Joachim 1, als Anspielung auf Joachim Gauck. Der soll nämlich den Paragrafen 63 des Aufenthaltsgesetzes kippen, der die Beförderung von Flüchtlingen ohne Papiere untersagt, weswegen die Geflüchteten auf den gefährlichen Wasserweg angewiesen sind.

(Freiwillige) Flüchtlinge als Tiger-Futter

Was die Aktion so provokant macht? In Berlin Mitte wurde ein Tigerkäfig aufgestellt, an dessen Eingang “Flüchtlinge fressen – Not und Spiele” geschrieben steht. Organisiert wird die verrückte Aktion vom Zentrum für politische Schönheit, das schon mit “Die Toten kommen” geschockt hatte. Nun gilt der Deal: Wird das Gesetz nicht gekippt und die Einreise 100 syrischer Geflüchteter genehmigt, wollen sich derzeit neun Freiwillige den Tigern zum Fraß vorwerfen.

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Foto: ZPS

Tiger bei der Aktion Flüchtlinge fressen

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Flüchtlinge Fressen vor dem Gorki Theater

Foto: ZPS

Am Montag verkündete die syrische Schauspielerin May Skaf sich als erstes von den vier lybischen Tigern fressen zu lassen und zwar am 28.06.2016. Die Aktion schockt und übt eine Menge Druck auf die Regierung aus. Ihr Ziel sei erst erreicht, wenn die Menschen nicht mehr gezwungen seien den illegalen und lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer zu nehmen, sondern legal (und nebenbei auch bedeutend günstiger als mit Schlepperbanden) der Not zu entkommen und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Es bleibt abzuwarten, wie es mit der Aktion weitergeht. Am 28.06. wissen wir mehr.