Der Weg als Ziel

Noch vor der Idee ein Barcamp für Refugees und Helfer zu veranstalten, wollten wir Anfang 2016 vor allem dem Hass und der Hetze in Teilen des selbsternannten Volkes gegenüber Geflüchteten entgegen setzen. Ziel war zunächst eine Kommunikationskampagne von Menschen und Initiativen, die sich engagieren. Wir wollten positive Stimmen sammeln, bündeln und verstärken, und ja, uns unserer Selbst sowie unserer Umwelt vergewissern, die eben nicht herzlos ist, sondern empathisch für eine wahre Willkommenskultur einsteht.

Das Feedback auf diese Idee war oft zwiegespalten und schwankte zwischen endlich! und ehrlich?. Und auch wenn wir davon überzeugt waren und sind, stand zwar die Ausgangslage fest, aber es fehlte der Mehrwert für die Herausforderungen zu Beginn des letzten Jahres und ein greifbares, erreichbares Ziel. Sollten wir lieber selbst eine Plattform, statt einer Kampagne, ins Leben rufen, um die Kommunikation nicht für, sondern zwischen engagierten Menschen  sowie Initiativen zu unterstützen?

Schließlich, aus Mangel an Wissen über die tatsächlich gedeckten sowie offenenen Bedarfe und dem Fehlen von Erfahrungen bzgl. der Durchführung warfen wir auch diesen Ansatz über den Haufen und landeten beim WelcomeCamp: keine dezentrale Kommunikation gegen etwas, sondern der direkte Austausch vor Ort an einem intensiven Wochenende für ein übergeordnetes Ziel, nämlich die gemeinsame Hilfe, statt einem destruktiven Konkurrenzkampf um Mittel, Aufmerksamkeit sowie Geflüchtete.

Die bessere Achse

Es ist seitdem viel passiert, mit uns und um uns herum sowie über das WelcomeCamp hinaus. Doch das, was unser Engagement ausgelöst hat, nämlich öffentlich ausgesprochener (rassistischer und faschistischer) Populismus existiert weiterhin, oftmals nicht nur parteipolitisch, sondern teilweise sogar gesellschaftlich akzeptiert. Noch immer überwiegen negative Schlagzeilen die vielen kleinen und großen Erfolgsgeschichten. Ein Umstand der nicht nur uns, auch in Anbetracht der anstehenden kommunalen, bundesweiten und europäischen Wahlen, weiterhin Sorgen bereitet.

Mit Die bessere Achse hat Carsten Rossi einen Weg gewählt, der zunächst für eine erhöhte Sichtbarkeit und eine bessere Vernetzung von Menschen sorgen soll, die nicht mehr wegschauen, weghören oder weglesen wollen und können, wenn Hate Speech und Fake News ein mehr als verzerrtes Bild unserer Gesellschaft zeichnen sowie dem um sich greifenden Populismus weiter Vorschub leisten. Das soll die Grundlage unterschiedlicher, aktueller und vor allem nützlicher Kampagnen sein, die über das Netzwerk eine breite Öffentlichkeit erreichen wird.

Das WelcomeCamp schließt sich gern an:

Wir stehen ein für einen humanen, konstruktiven und wertschätzenden Diskurs auf Basis verifizierter Fakten und engagieren uns gegen Populismus, Rassismus und Lügen. Allen Menschen und Gruppen, die Opfer solchen Verhaltens werden, stehen wir mit dieser Plattform und durch unterstützende Kommunikation und Maßnahmen weiterhin zur Seite.

Bereits im Vorfeld des Camps haben wir in der Kategorie Wir sind viele über 20 Menschen und Kampagnen vorgestellt, die sich ebenfalls engagieren. Im folgenden geht es um zwei Veranstaltungsreihen, die sich erst kürzlich gebildet haben und aktuell laufende Crowdfunding-Kampagnen zum Thema.

Refugees Welcome Meetup Berlin

Karin Janner und Dagmar Albrecht fassten beim WelcomeCamp  den Entschluss ein monatliches Meetup zu einem jeweils bestimmten Thema abzuhalten, um Menschen und Ideen zu vernetzen:

  • Initiatoren und Mitarbeiter von Projekten, Initiativen und Vereinen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren.
  • Kommunikationsprofis, Multiplikatoren und (potenzielle) Helfer, die noch freie Kapazitäten haben und sich einen Überblick verschaffen wollen, welche Projekte es gibt und wo sie sich einbringen könnten.
  • Geflüchtete, die den Initiativen aufzeigen können, in welchen Bereichen sie sich mehr Unterstützung wünschen, und natürlich auch Geflüchtete, die sich selbst engagieren wollen.

Beim kommenden Meetup am 12. Januar 2017 geht es um Mentoren-Programme für Geflüchtete.

Versammlungen für eine solidarische und weltoffene Gesellschaft

Auch Nina Galla war ohne eigene Initiative beim Camp und startete anschließend oben genannte Versammlungsreihe unter dem Hashtag #soliges. Das Ziel der Versammlung ist, all jenen, die sich von der Politik nicht mehr vertreten oder verstanden fühlen, ein weltoffenes Gegengewicht zu AfD und Pegida anzubieten.

Eingeladen sind ausdrücklich all jene Menschen, Bürgerinnen und Bürger, die einen Politikwandel wünschen, aber die rassistischen und nationalistischen Motive anderer Gruppierungen nicht unterstützen wollen.

Die nächste Versammlung findet am Dienstag, den 24. Januar 2017, am Rosa-Luxemburg-Platz statt.

Crowdfunding Projekte für Flüchtlingshilfe auf Startnext

Markus Streichhardt stand beim WelcomeCamp mit Tipps und Hinweisen für erfolgreiches Crowdfunding in der Flüchtlingshilfe als passendes Instrument der Hilfe zur Selbsthilfe Rede und Antwort.

Inzwischen hat die Plattform mit #RefugeesWelcome @Startnext eine Kampagne gestartet, um Starter von Flüchtlingsprojekten so gut wie möglich bei der Finanzierung und Realisierung ihrer Ideen zu unterstützen. Hier werben über 60 Projekt um eine erfolgreiche Finanzierung ihrer Ideen. Schirmherrin ist die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles.

Fotos (c) Dominik Butzmann, Henry Schröder, Andi Weiland.

Für alle, die auf der Suche nach weiteren sinnvollen Quellen sind, hat Peter Diekmann Fünf Initiativen, mit denen Ihr Euch 2017 besser vor Populismus und FakeNews schützen könnt auf seinem Blog vorgestellt. Kennt ihr mehr Blogs, Veranstaltungen und Initiativen zum Thema, schreibt doch auch einen Beitrag auf WordPress, Medium, Facebook, Twitter … und/oder hinterlasst uns gern einen Link in den Kommentaren, damit die bessere Achse nicht bricht.