Heute möchten wir ein Projekt vorstellen, bei dem Willkommen ganz zentral im Vordergrund steht. Denn die Welcome Baby Bags stehen ganz klar für gelebte Willkommenskultur. Mehr noch, denn sie begrüßen einen neuen Menschen in dieser Welt mit offenen Armen. Wir haben Laura von den Welcome Baby Bags getroffen.

Hallo Laura, bitte stell dich und die Welcome Baby Bags doch bitte erstmal vor!

Ich bin Laura und ich betreue seit etwa einem Jahr das Projekt Welcome Baby Bags, in dem wir geflüchtete Schwangere mit einer ersten Grundausstattung versorgen.

Dafür packen wir eine Reisetasche mit etwa 45 Artikeln von Pflegeartikeln über Kleidung bis zu kleinen Extras für die Mama oder Geschwisterkinder. Alles ist dabei, was die Mama und das Neugeborene für die ersten Wochen brauchen.

Das ist eine tolle Unterstützung für die Frauen, denn schließlich sind sie hier in einem fremden Land, in dem sie sich noch nicht auskennen. Auch sind sie nicht so mobil. Mit dieser Tasche können sie erst einmal in die Klinik gehen und haben alles für die Geburt und die erste Zeit danach dabei. Die Welcome Baby Bags stellen auch eine gute Orientierung für die Frauen dar, um zu erfahren, was sie brauchen.

Die Welcome Baby Bags sind eine Willkommensgeste, eine warme Hand unseres Trägers, dem ökumenischen Frauenzentrum Evas Arche.

Die fertig gepackten Welcome Baby Bags warten darauf, abgeholt zu werden.

Seit wann gibt es das Projekt?

Vor zwei Jahren wurde das Projekt von Silke Ahlert ins Leben gerufen. Sie wollte damals Babykleidung spenden und hat festgestellt, dass es dafür keine direkte Möglichkeit und auch noch kein Projekt gab. Weil das Projekt so starke Unterstützung fand, suchte sie einen Träger, den sie vor etwa einem Jahr mit Evas Arche gefunden hat.

Wie findet denn der Kontakt zu den Frauen statt? Kommen sie auf euch zu?

Es gibt zwei Wege: Wir haben Kontakt zu Notunterkünften und Gemeinschaftseinrichtungen, und Sozialarbeiter, Ehrenamtliche und Freiwillige haben direkten Kontakt zu uns. Das ist dann eigentlich ein Selbstläufer, denn die Helfer stehen mit den Frauen in Kontakt und melden uns dann den Bedarf. Wenn eine Unterkunft erstmals von uns hört, können das dann auch schon mal 20 Frauen auf einmal sein. Aber auch Familienpaten oder Familien selbst melden sich bei uns, meist findet dieser Kontakt über Facebook statt.

Wie funktioniert die Kommunikation, wie meistert ihr sprachliche Barrieren?

Sobald die Frau englisch spricht, gibt es natürlich keine Barrieren, ansonsten arbeiten wir auch mit Dolmetschern zusammen. Ansonsten hat eine Frau, die wir selber vor einem Jahr betreut haben, jetzt die Netzwerkkommunikation zu einem großen Teil übernommen. Sie ist auf FB sehr bekannt und hat ein sehr großes Netzwerk. Sie hilft anderen bei der Anfrage für die Baby Bags.

Was sind eure Wünsche für die Zukunft?

Natürlich, dass wir weiterhin die Frauen so unterstützen können wie bisher, was wir aber nur durch genügend Spenden erreichen können. Deshalb wünschen wir uns, dass weiterhin genug Gelder reinkommen, damit wir den Zukauf von Hygieneartikeln wie Windeln oder auch der Taschen selbst, gewährleisten können. Und dass die Strukturen weiterhin so gut bleiben.

Auch, wenn inzwischen weniger Geflüchtete hierher kommen, gibt es doch immer mehr Frauen, die schwanger werden, die langsam ankommen, es hier auch anfangen als Heimatort zu empfinden und Familien zu gründen.

Pia beim Sortieren der gespendeten Kleidung

Wie kann man euch unterstützen? Welche Hilfe könnt ihr gebrauchen?

Wir brauchen dringend Sachspenden, auf unserer Facebookseite findet sich immer die aktuelle Liste. Gerade sind es Babydecken und Handtücher, denn das ist ein Punkt, der im Zukauf einfach zu teuer würde. Deshalb versuchen wir, beides komplett über Sachspenden abzudecken. Die Sachen können gerne auch gebraucht sein, Flecken stören auch nicht, denn wir sortieren und waschen die Sachen, färben sie auch bei Bedarf. Schließlich soll alles für die junge Mama so schön wie möglich sein.

Wir wünschen uns aber auch Kooperationen mit der Wirtschaft, wie beispielsweise mit dem Drogeriemarkt von nebenan. Oder auch jemanden, der uns unterstützen möchte, indem er auf den Kinderflohmarkt geht und dort die Sachen, die nicht verkauft wurden, für uns einsammelt. Wir freuen uns immer über Ehrenamtliche, die uns helfen, das Projekt bekannter zu machen.

Es ist enorm wichtig, das Projekt zu beleben, denn es steckt ein großer, logistischer Aufwand dahinter. Wir geben im Moment zwischen 50 und 80 Taschen pro Monat weiter. In jeder Tasche stecken 45 Artikel, bei 80 Taschen sind das 3600 Artikel. Diese Artikel müssen aber auch wieder neu beschafft werden für den nächsten Monat.

Auch bei der Abholung von Spenden können wir immer Unterstützung gebrauchen. Genauso freuen wir uns über jemanden, der uns beim Fundraising unterstützt, ob mit Wissen oder direkt.

Dank der Spenden ist das Lager gerade voll

Mehr Infos:

Für die Welcome Baby Bags wird immer saisonal passende Babykleidung in kleinen Größen gebraucht, von Gr. 50 bis Gr. 62/68. Die aktuelle Bedarfsliste findet ihr auf der Facebookseite.
Spenden können in Evas Arche abgegeben werden.

Ökumenischen Frauenzentrum Evas Arche,
Große Hamburger Straße 28
10115 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo 13-16 Uhr, Di-Do 10-16 Uhr

Evas Arche
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