Koffer, prallgefüllt mit allen erdenklichen Meterialien – das sind die Kunstkoffer. Das Projekt Die Kunst-Koffer kommen ist ein offenes Kunstangebot für Kinder. Ob beim freien Malen, Töpfern, bauen oder Gestalten können die Kinder ihre Kreativität ausleben und sich ohne jegliche Vorgaben oder Zensuren ihrem schöpferischen Drang widmen. Das Projekt ist in vielen deutschen Städten aktiv, auch in Berlin. Und auch beim WelcomeCamp am 29. Juni werden die Kunst-Koffer dabei sein. In unserer Kids-Area können eure Kinder das volle Angebot der Kunst-Koffer ausprobieren, während ihr an den Sessions unseres Barcamps teilnehmt.
Wir haben mit Kathrin und Sarah über das tolle Projekt gesprochen.

WelcomeCamp: Hi Kathrin, Hi Sarah, bitte stellt euch doch mal vor! Wer seid ihr und was sind die Kunstkoffer?

Kathrin Endres: Hi Viola. Danke, dass wir beim WelcomeCamp dabei sein können! Die Kunst-Koffer, das sind bildlich Koffer gefüllt mit vielen Materialien wie Ton, Farben, Stoffe, Kleber, Scheren, Papier, Holz, Pinsel, Werkzeuge…
Damit gehen wir auf öffentliche Plätze und bieten den Kindern wöchentlich an einem festen Tag an, frei und kreativ zu arbeiten. Die Kunst-Koffer sind also eine mobile Kunstwerkstatt die zu den Kindern kommt. Dabei können sie nach Herzenslust mit den Materialien experimentieren und gestalten. Wir als Künstler*innen und Pädagog*innen begleiten die Kinder dabei mit unserem handwerklichen Wissen. Die Kunst-Koffer gibt es deutschlandweit in vielen Städten und das Konzept hat seinen Ursprung in Wiesbaden. Ich bin Künstlerin und studiere jüngst Soziale Arbeit. Das Projekt die Kunst-Koffer begleite ich jetzt im 5. Jahr.

Sarah Hauk: Ich bin auch Künstlerin und habe die Kunst-Koffer noch während meines Studiums in Braunschweig kennengelernt. So bin ich seit sieben Jahren dabei.

WelcomeCamp: Welche Aufgaben übernehmt ihr bei dem Projekt?

Kathrin: Als Künstlerin bereite ich die Umgebung vor und schaffe einen Raum für Kreativität. Während des Angebotes bin ich aufmerksam und meist halte ich mich zurück und lasse den Kindern den Raum. Dabei helfe ich den Kindern so viel gefragt ist. Auch nach 5 Jahren staune ich regelmäßig über die Kunstwerke der Kinder.

Sarah: Natürlich sind wir auch da um – wenn nötig – Streitigkeiten unter den Kindern zu schlichten und das Konzept der Kunst-Koffer den Eltern näher zu bringen.

WelcomeCamp: Warum ist Kunst für Kinder so wichtig?

Kathrin: Kinder brauchen Freiheit. Das kann ihnen Kunst und Kreativität bieten. Kunst ist zudem subjektiv und “alles” ist erlaubt. Spielen ist hier erlaubt. Ohne Leistungsdruck können sich Kinder von ihrer Neugier und Gesaltungslust treiben lassen. Kreativität ist wichtig für Kinder, da sie sich hier begeistern dürfen und ganz ihren Ideen und Impulsen folgen können, es gibt kein “richtig” und kein “falsch”. Dabei können Kinder positive, sinnliche Erfahrungen in einer Gruppe sammeln. Kunst und Kreativität bietet einen Gegenimpuls in unserer leistungs- und konsumorientierten Gesellschaft, Werte wie Subjektivität und Vielfalt sind hier von Bedeutung und gehören einfach zum kreativen Schaffen dazu. Kreativ sein ist eine sinnvolle Art der Freizeitbeschäftigung, dabei können Kinder selbst etwas gestalten. Natürlich ist Kunst nicht alles was Kinder brauchen, Kunst ist wie das Salz in der Suppe es ist nicht die Suppe.

WelcomeCamp: Gibt es Momente, die ihr bei eurer Arbeit erlebt habt, die ihr gerne teilen möchtet?

Sarah: Wenn Kinder, die zu Anfang gar nicht wussten, was sie mit dieser Freiheit anfangen sollten, nach ein paar Wochen selbstbewusst und zielstrebig ihre eigenen Projekte umsetzen, ist das schon toll.

Kathrin: Die gewachsenen Beziehungen zu den Kindern und Eltern sind etwas ganz besonderes. Was anderes fällt mir gerade ein, dabei muss ich schmunzeln… einmal haben sich die Kinder an einer Station sehr lange gewünscht, einmal Schleim nach einem bestimmten Rezept zu machen. Wir haben ihren Wunsch erfüllt. Die Begeisterung der Kinder hat sich gefühlt auf dem gesamten Platz ausgebreitet und sogar Erwachsene konnten sich dafür begeistern Schleim herzustellen und mit den Materialien zu experimentieren… ein Kollege hat hinterher gescherzt: “Schleim hält die Welt zusammen” da sich so viele unterschiedliche Menschen dafür begeistern konnten.

WelcomeCamp: Und neben den schönen Momenten, seid ihr auf der anderen Seite auch schon auf der anderen Seite auf Probleme gestoßen?

Kathrin/Sarah: Manchmal ist es schwierig für die Eltern, ihre Kinder loszulassen. Und zu vertrauen, das dass, was ihre Kinder machen, gut und richtig ist – unabhängig davon, wie das Ergebnis konkret aussieht. Und natürlich sind wir daran gewöhnt, ständig zu bewerten, was wir machen. Da ist es für die Kinder auch manchmal schwer, frei in den künstlerischen Prozess zu kommen. Das größte Problem ist aber die Finanzierung. Es ist wahnsinning schwer und zeitaufwendig, kontinuierliche Förderungen zu finden. Das Projekt ist vielen Förderern zu offen und zu wenig ergebnisorientiert. Zudem sind langfristige Förderungen in der Kulturellen Bildung an sich sehr selten. Das Projekt lebt aber davon, dass die Eltern und die Kinder sich auf das Angebot verlassen und Vertrauen aufbauen können. Und gerade durch die Regelmässigkeit können die Kinder in den von uns beschriebenen Prozess kommen.

WelcomeCamp: Wie konntet ihr die Hindernisse überwinden?

Kathrin/Sarah: Viel lässt sich über offene Kommunikation lösen. Wir erklären den Eltern genau, was die Regeln bei den Kunst-Koffern sind und was der Sinn dahinter ist. Zudem bauen die Eltern mit der Zeit Vertrauen zu uns und dem Projekt auf. Sie können ja auch beobachten, welche Entwicklung ihre Kinder erleben. In Neukölln haben die Eltern dann sogar das Essen für Ferienworkshops gekocht, in anderen Bezirken helfen sie beim Aufbau mit, oder begleiten ihre Kinder ganz behutsam beim Kunst machen. Die Frage der Finanzierung ist immer noch nicht ganz geklärt. In einigen Bezirken gibt es engagierte Trägervereine, die uns mit der Akquise der Gelder unterstützen. In anderen Bezirken machen wir das. Und falls Gelder fehlen, können wir das Projekt nicht kontinuierlich anbieten, was sehr schade ist.

WelcomeCamp: Wie kann man die Kunst-Koffer unterstützen?

Kathrin/Sarah: Gerne mit Spenden, oder hilfreichen Tips was Förderungen betrifft. Außerdem freuen wir uns über jedes Kind, das zu den Kunst-Koffern kommt. Und die Kunst-Koffer können auch für Feste gebucht werden.

WelcomeCamp: Wo kann man euch treffen? Wie können Kinder beim Kunst-Koffer mitmachen?

Kathrin/ Sarah: Die Kunst-Koffer sind kostenlos und alle Kinder sind eingeladen mitzumachen.
Hier findet ihr die Kunst-Koffer wieder regelmäßig nach den Sommerferien:

Dienstag: von 16-18 Uhr in Neukölln auf dem Hertzbergplatz
Donnerstag: von 16-18 Uhr in Schöneberg auf dem Crelleplatz  

Mittwoch: von 16-18 Uhr im Nachbarschaftszentrum Kiezspinne in Lichtenberg

Oder ihr schaut mal auf unsere Website, dort findet ihr alle Termine, deutschlandweit.
kunst-koffer.org 

Und wir sehen uns ja auch beim WelcomeCamp, wir freuen uns schon darauf. Danke für das schöne Gespräch!

Die Kunst-Koffer auf dem Hertzbergplatz.
Foto via Facebook

Natürlich sind die Kunst-Koffer auch beim WelcomeCamp am 29. Juni dabei. Dort könnt ihr die Kunst-Koffer live erleben und das tolle Programm bestaunen. Das Beste ist aber, dass eure Kinder sich kreativ austoben können und dabei sicher jede Menge Spaß haben werden. Natürlich sind Tickets für Kinder bis 16 Jahren auch in diesem Jahr wieder kostenfrei aber ganz sicher nicht umsonst!

WelcomeCamp 2019