Screenshot aus der Session mit Günter Klages.

Ein Faktencheck zur Argumentationshilfe gegen rechte Propaganda

An Stammtischen, auf Demonstrationen oder eben in analogen sowie digitalen Netzwerken, wird häufig die pure Zahl an Schutz- sowie Asylsuchenden als Argument gegen Geflüchtete und sogenannte Gutmenschen verwendet. Polizist Günther Klages, zum 5. Mal beim WelcomeCamp, hat etwas dagegen: Fakten.

In seiner Session ging es um eine Einordnung der aktuellen Lage weltweit. Ca. 68,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Davon 40 Millionen Binnenvertriebene, 25 Millionen in einem fremden Land, auf der Flucht vor Kriegen, Krankheiten und Repressalien, sowie 3,5 Millionen Asylsuchende mit entsprechendem Status. Durch die Corona-Pandemie sind diese Zahlen in den vergangenen Monaten gesunken. Nicht weil weniger Menschen fliehen wollen, sondern weil das Passieren von Grenzen zur Ein- oder Ausreise vielerorts unmöglich geworden ist.

Ganz konkret erkennbar wird dies an den Erstanträgen von Asylsuchenden in Deutschland. Waren es im  April 2019 noch über 10.000 Anträge, wurden ein Jahr später nur noch 5.000 Anträge gezählt, ohne dass es eklatante  Änderungen bei den Fluchtursachen, den Fluchtrouten oder den Herkunftsländern gegeben hätte. Die Hälfte aller auf diesem Wege Schutzsuchenden stammen aus Syrien, Iran, Afghanistan und der Türkei.

Wir haben Platz!

Über offizielle Quellen, wie der UNHCR, der EU-Kommission oder dem BAMF sind die Zahlen auch für einzelne Landkreise abrufbar (siehe Präsentation). So lässt sich relativ einfasch belegen, dass es so gut wie keine Orte in Deutschland gibt, die mit einer Flüchtlingswelle (sic!) bzw. einer bevorstehenden Islamisierung konfrontiert sind oder konfrontiert sein werden. Die Botschaft von Günther: Wir haben Platz! Auch wenn einzelne Asylverfahren sowie juristische Regelungen (auf Landes-, Bundes- oder Europaebene) für besondere Herausforderungen sorgen.

Die Präsentation

Auch Günter war so nett, uns seine Präsentation vom WelcomeCamp zur Verfügung zu stellen. Wenn ihr nicht beim Event oder der Session dabei sein konntet, könnt ihr hier einen kurzen Eindruck gewinnen.

Round Up

In der abschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Verweigerungshaltung innerhalb der EU, zum Beispiel durch die Mitgliedsstaaten  Österreich, Ungarn oder Tschechien sowie um den Machtmissbrauch von Despoten als Teil der Fluchtursachen. Außerdem wurde Tagesaktuell auch die Rolle der deutschen Polizei im Zusammenhang mit rassistischen Vorfällen thematisiert. Günther empfiehlt bspw. auf Demonstrationen die Kontaktaufnahme mit Zug- oder Truppenführern oder den Weg über die offiziellen Meldestellen der Innenministerien. Durch die lückenlose Dokumentation aller Einsätze sei eine Aufklärung zwar langwierig aber sehr wahrscheinlich.

Wir bedanken uns bei Günther Klages für die Einblicke und natürlich beim Team Session-Dokumentation für ihre Arbeit!

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