Screenshot aus der Session zu antimuslimischem Rassismus vom Gesicht-Zeigen!-Projekt „Die Freiheit, die ich meine“.

Islamophobie, antimuslimischer Rassismus, Islamfeindlichkeit

Das Gesicht Zeigen!-Projekt Die Freiheit, die ich meine, ist ein Projekt zur politischen Bildung, das sich an den Bedürfnissen muslimischer Mädchen und Frauen orientiert und sich gegen Muslimfeindlichkeit und religiösen Fanatismus wendet. Wer, wenn nicht die Freiheit, wäre prädestinierter, uns und euch zu diesen Themen aufzuklären?

Die Präsentation

Die Sessionholderinnen waren so freundlich, uns ihre Präsentation des Abends zur Verfügung zu stellen. 

Die Session

Es beginnt mit den einleitenden Fragen an die Teilnehmenden, was sie mit dem Islam und Muslim*innen assoziieren würden.

Genannt wurde hier unter anderem die Gastfreundlichkeit der Menschen, Barmherzigkeit, Spiritualität. Der Islam sei eine Religion, die man, wie alle Religionen, kritisieren darf und es eine große Diversität innerhalb des Islams gebe. Vonseiten der Sessionhalterinnen wurde dazu übergeleitet, dass der Islam in den/unseren Medien zu mehr als 80 Prozent in den ARD- und ZDF-Sendungen eine negative Themensetzung hätten. Dies geht aus einer Studie der Universität Erfurt von 2007 hervor.

Weiter ging es mit der sog. Mitte- und Autoritarismus-Studie, die Umfragen zu Islamfeindlichkeit enthielten. Daraus ergaben sich die folgenden Zustimmungsergebnisse.

„Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land“

„Man sollte Muslim*innen die Zuwanderung nach Deutschland untersagen.“

So bunt und vielfältig das Event insgesamt war, so vielfältig waren auch die Teilnehmenden innerhalb der Session. So ergab sich eine spannende Diskussion zwischen den betroffenen- und nicht betroffenen Teilnehmenden. So wurde beispielsweise darauf aufmerksam gemacht, dass medial fast ausschließlich Musliminnen portraitiert werden, die ein Kopftuch tragen, dabei würden diese lediglich 30% der Musliminnen ausmachen. Die rein Sekularen blieben außen vor. 

Später folgt der Bogen zu einer weiteren Studie „Islamophobia: A Challange for Us All“ von 1997. Darin wird der Islam einerseits folgendermaßen gesehen:

Geschlossene Sichtweise

  • einheitlicher Block, der statisch und unempfänglich ist
  • anders und getrennt von anderen Kulturen ohne gemeinsame Ziele, Werte gegenseitige Beeinflussungen
  •  minderwertig gegenüber dem Westen betrachtet und mit Attributen wie barbarisch, irrational, primitiv und sexistisch versehen
  • aggressiv, bedrohlich, bzw. drohend, terrorismusfördernd und im Kampf der Kulturen begriffen
  • politische Ideologie, die zwecks politischer und militärischer Vorteile eingesetzt wird.
  • Feindseligkeiten gegen Muslim*innen werden als „normal“ gesehen und akzeptiert

Offene Sichtweise

  • divers und progressiv, mit internen Differenzen, Debatten und Entwicklungen
  • verwoben und mit anderen Kulturen mit einigen gemeinsamen Zielen, Werten und gegenseitigen Beeinflussen
  • verschieden (aber nicht als minderwertig) und als gleichwertig betrachtet
  • potentieller Partner für gemeinsame Unternehmungen und Lösungen von Problemen
  • als rein religiöser Glaube, der Aufrichtig von seinen Anhänger*innen praktiziert und
  • Kritik des Islam am „Westen“ wird gehört und diskutiert

Schwarz / Weiß

Einige der Teilnehmenden sahen diese zwei Sichtweisen eher kritisch und als zu Schwarz-Weiß. Die Sessionalterinnen wiesen darauf hin, dass sie den Begriff Islamophobie selbst nicht nutzen, da der Begriff der Phobie nicht den Kern des Problems träfe. So sei der Begriff der gruppenbezogenden Menschenfeindlichkeit weitaus treffender. Darüber hinaus weisen die Sessionhalterinnen darauf hin, dass Menschen islamischen Glaubens stets gewisse Stereotype zugeschrieben werden, ohne mit den Individuen je gesprochen zu haben. So gelten Viele in der öffentlichen Wahrnehmung als sexistisch, antisemitisch und aggressiv.

Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

Abschließend wird eine Untersuchung von Datenjournalist*innen des Bayrischen Rndfunks und des SPIEGELs vorgestellt. In ca. 8.000 Anfragen an deutschlandweiten Vermieter*innen haben die Journalist*innen festgestellt, dass Menschen mit ausländisch klingenden Namen deutlich diskriminiert werden. Besonders betroffen sind hierbei Menschen mit türkischer oder arabischer Herkunft. 

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